14.04.2009
DesignBlitzlicht: Mag. Andreas Bauer, Inhaber der Firma Formschluss
Beschreibung des Unternehmens
Unsere Arbeitsschwerpunkte liegen auf Produktdesign, Raumdesign und Kommunikationsdesign.
Durch eine umfangreiche technische Ausbildung im Bereich Maschinenbau und Bautechnik konnte ich mir unter anderem sehr viel Know-how in den Bereichen Material- und Produktionstechnologie aneignen, die ich während des Studiums und während der letzten knapp 10 Jahren meiner Designtätigkeit laufend erweitere. Mit Hilfe dieser Kompetenzen ist es mir möglich, mich auf das Herausfiltern von Zusatznutzen bei Projekten und die daraus resultierende Gestaltung zu konzentrieren, ohne permanent an die Umsetzung und Realisierbarkeit denken zu müssen.
Das Unternehmen ist seit 2000 im Gmundner Technologiezentrum angesiedelt und arbeitet mit einem Pool an Mitarbeitern, die im Entwicklungsbereich aber auch im Handwerk für die unterschiedlichsten Projekte eingesetzt werden. Mit diesen idealen Voraussetzungen können sämtliche Projekte sehr professionell realisiert werden.
Ihre Firma formschluss ist ein Designbüro für Produktdesign, Raumdesign und Kommunikationsdesign. Was kann man sich darunter vorstellen?
Im Bereich Produktdesign realisieren wir sowohl klassische Industriedesignprodukte als auch Einzelanfertigungen. Einen großen Teil nimmt aber das Chassisdesign ein. Hierfür konnte ein breit gefächertes Wissen für Blech und Kunststoffengineering aufgebaut werden. Für das Bioofenwerk in Wiener Neustadt etwa wurden während der vergangenen zwei Jahre Blechchassis mit sehr hohen Anforderungen entwickelt.
Für m&m wurde ein Stapelgerät mit einem kompletten Kunststoffchassis entworfen, ausgearbeitet und realisiert. Diese Firma hat in einen sehr umfangreichen Formenbau investiert.
Im Nachhinein betrachtet haben uns beide Unternehmen einen sehr großen Vertrauensvorsprung gegeben.
Aber auch die Zusammenarbeit mit Künstlern im Bereich Objektgestaltung finde ich immer wieder sehr spannend.
Im Bereich Raumgestaltung spreche ich sowohl private Personen, Museen als auch Firmen an. Viel Freude bereitet mir die Ausstellungsgestaltung aber auch die Gestaltung von Schauräumen. Besonders im letzten Jahr konnten hierfür zwei interessante Projekte umgesetzt werden. Darunter ein Schauraum mit integrierten Büroräumen von millcell und eine Ausstellungsgestaltung für das Lentos Kunstmuseum Linz von 800 m2. Für letzteres habe ich sehr elegante mobile Trennwände entwickelt. Diese können trotz der Größe von ca7 x 3,5m und einem Gewicht von 800 kg abgebaut und ins Depot zur Lagerung gebracht werden. Mir widerstrebte ein Konzept, bei dem wertvolles Material am Ende entsorgt werden muss, wie das bei derartigen Arbeiten oft zu beobachten ist.
Ein weiterer fixer Bestandteil unserer täglichen Arbeit sind Kommunikationsmitteln aller Art: Es macht immer wieder Freude, auch die grafischen Medien auszuarbeiten, wenn wir vorher die Produktgestaltung ausgeführt haben. Im Gesamten bringt diese Vorgehensweise auch sehr viele Vorteile für unsere Kunden.
Welche Einsatzmöglichkeiten umfasst Ihre Angebotspalette genau?
Die Einsatzmöglichkeiten von formschluss sind äußerst vielfältig. In den letzten Jahren ist mir bewusst geworden, dass meine Leistungen immer öfter in sehr unüblichen Bereichen gefragt sind. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Unternehmen immer mehr die so genannte Kreativwirtschaft entdecken und auch in die Unternehmensstrategien integrieren.
Welche Aspekte sind Ihnen in der Zusammenarbeit mit Ihren Kunden besonders wichtig?
Für mich steht in erster Linie die Identifikation mit der Aufgabe, mit dem zu realisierenden Projekt im Vordergrund. Diese Ebene muss stimmen, damit etwas Kreatives, Neues entstehen kann.
Wie definieren Sie den Begriff „Design“ und was macht für Sie gutes Design aus?
Der Begriff Design ist sehr weitläufig. Jeder der sich damit ernsthaft auseinandersetzt, entwickelt dafür auch seine eigene Interpretation und seine eigenen Schwerpunkte. Auf alle Fälle sind wir Designer Individualisten, wodurch auch immer wiederkehrend die Grundsatzdiskussionen bezüglich Formgebung und Funktion aufkommen. Gerade aber diese sind es, die enorm wichtig sind. Sie geben neue Impulse für unsere Arbeit.
Mein persönliches Anliegen ist, dass die Anforderungen erfüllt werden und mit Hilfe unseres gestalterischen Potenzials, Projekte ihre eigenständige Interpretation erlangen. Ob das Design gut oder schlecht ist, entscheiden dann ohnehin der Kunde bzw. der Markt, der entweder unzufrieden oder zufrieden ist.
Wer zählt aus Ihrer Sicht zu einem der bedeutendsten Designer und warum?
Wir haben in unserer unmittelbaren Umgebung bedeutende Personen die sehr gute Arbeit geleistet haben oder leisten. So hat beispielsweise Helmuth Gsöllpointner in seiner damaligen Meisterklasse sehr gute Leute hervorgebracht. Dies war insofern und nur deshalb möglich, weil er selbst ein hervorragender Künstler und Gestalter ist, der über ein ganz besonderes Gespür für Ästhetik und Formgebung verfügt. Aber auch Kristian Fenzl, mit dem ich längere Zeit zusammengearbeitet habe, prägte die Designszene in Österreich über viele Jahre wesentlich. Im Bereich Kommunikationsdesign haben wir in unserer unmittelbaren Umgebung sehr gute Büros.
Die Arbeiten von Charles und Ray Eames, Ludwig Mies van der Rohe, Jean Prouvé, respektive Pierre Chareau finde ich heute noch sehr ansprechend. Im Bereich Autodesign ist die Formensprache von Walter Maria da Silva sehr reizvoll. Das Design des Alfa Romeo 156 Sportwagon hat der Firma Alfa Romeo sicherlich sehr gut getan.
An den Brüdern Ronan & Erwan Bouroullec finde ich sehr interessant, wie die beiden von einem sehr experimentellen und handwerklichen Ansatz zu sehr guten Produkten kommen.
Weiters haben die skulpturalen Bauten der Dekonstruktivisten wie beispielsweise von Zaha Hadid oder Coop Himmel(b)lau und Calatrava eine außergewöhnlich spannende Formensprache, welche die Architektur sehr belebt.
Welche Entwicklungen sehen Sie im Bereich des Designs und wie sollten produzierende Unternehmen darauf reagieren?
Die Materialmöglichkeiten und Produktionstechniken haben sich in den letzten Jahren erheblich vervielfältigt. Ich bemerke sehr oft, dass Betriebe viele Komponenten noch immer selber fertigen, obwohl dies weder wirtschaftlich noch professionell ist. Hingegen bin ich immer wieder fasziniert, welche Möglichkeiten spezialisierte Betriebe haben. Genau diese sollten mehr von den Unternehmen genutzt und entsprechend vernetzt werden. Wir Designer sollten uns auch ein wenig als "Material und Technologiehunter" sehen. Dies kann unsere Kunden einen entscheidenden Schritt nach vorne bringen.
Ihr Tipp für Unternehmen, die Designaktivitäten starten wollen?
Wie bereits oben erwähnt sind wir DesignerInnen Individualisten mit unterschiedlichsten Fähigkeiten. Ich bin davon überzeugt, dass für bestimmte Projekte auch bestimmte Personen oder Büros in Frage kommen. Mit Hilfe der Datenbank von Netzwerk Design und Medien ist dieser Überblick mittlerweile sehr gut gegeben.
Welches Wunschprojekt würden Sie gerne realisieren?
Im Jüdischen Museum in München eine Ausstellungsgestaltung zu realisieren und für eine Firma mit sehr hoher Produktvielfalt eine gestalterisch einheitliche Linie inklusive der Kommunikationsmittel zu entwickeln.
Welches ist Ihr persönliches Leitmotiv nach dem Sie Produkte designen?
Ich muss eine Herausforderung spüren, um mich mit dem Produkt entsprechend kreativ und intensiv auseinander setzen zu können.
>> zur Website von formschluss
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